Aufrecht sitzen - die 6 häufigsten Fehler

Als Faszientherapeuten mit einem selbst entwickelten Behandlungssystem und 25 Jahren Berufserfahrung wissen wir bestens über Biomechanik Bescheid. Demzufolge wir auch richtig Ahnung vom aufrechten Sitzen haben. Grundlegend dürfen wir an dieser Stelle eine Warnung aussprechen: 99% der Videos und Beiträge im Internet wurden von Menschen veröffentlicht, die selbst schlecht sitzen. Wie wir auf so eine ungeheuerliche Meinung kommen? Wir können es den Menschen ansehen. ;-) Witzige Zeitgenossen mit verkürzten Bauchmuskeln, einem Rundrücken und Beckenrotationen veröffentlichen Videos über das richtige Sitzen. Gern sitzen diese angeblichen Experten auf Sitzmöbeln, welche zum richtigen Sitzen völlig ungeeignet sind. Und so sitzen komprimierte und verkürzte Mediziner, Physios und Fitnessexperten dann in spitzen Absatzschuhen stocksteif auf einem Hocker und verkaufen "Gesundheit" für einen Hersteller, der auf einen Zug aufspringen will, den wir schon lange fahren. ;-)

 

Die 5 wichtigsten Fehler beim gesunden und aufrechten Sitzen

 

Fehler 1: Die Sitzfläche des Stuhls ist geneigt

 

Konvex oder konkav gewölbte Sitzflächen schränken Sie stark in Ihrer Beweglichkeit ein. Denn diese Formen geben eben eine feste Form für Ihren Po vor. Wenn Sie die absolute Freiheit beim Sitzen wollen, müssen Sie auch auf einer Sitzfläche sitzen, die Ihnen durch Ihre neutrale Form diese absolute Freiheit garantiert. Die Sitzfläche sollte also absolut eben sein.

 

Fehler 2: Die Hüftgelenke stehen auf gleicher Höhe wie die Kniegelenke

 

Bitte testen Sie selbst: Setzen Sie sich so, dass Hüftgelenke und Kniegelenke auf einer wagerechten Linie stehen. Und merken Sie sich, wie viel Körpergewicht Sie auf Ihren Füßen spüren. Jetzt sitzen Sie bitte so, dass die Hüftgelenke deutlich höher liegen als die Kniegelenke. Und Sie werden sofort bemerken, wie viel mehr Körpergewicht auf Ihren Füßen lastet. Das bedeutet: Ihr Rücken ist entlastet. Je tiefer Sie mit den Hüftgelenken sitzen, umso mehr Körpergewicht trägt Ihr unterer Rücken. Je höher Sie sitzen, umso mehr entlasten Sie Ihren Rücken.

 

Fehler 3: Sie sitzen nicht auf Ihren Sitzbeinhöckern

 

Die heißen ja schon so… ;-) Das sind zwei Knochen, die Sie selbst palpieren können. Bitte eine flache Hand beim Sitzen unter Ihren Po schieben. Dann spüren Sie den Knochen. Allerdings können Sie nur perfekt auf diesen Knochen sitzen, wenn Sie relativ weit vorn am Rand eines Stuhls sitzen.

Je weiter Sie hinter rutschen, umso mehr sitzen Sie auf Ihrer Beinrückseite. Dort sitzen die Muskeln, die Ihren Unterschenkel anheben. Die Faszienschichten dieser Strukturen verfilzen und verlieren ihre Gleitfähigkeit. Infolgedessen werden Ihre Beinrückseiten steif, kurz und unbeweglich.

 

Fehler 4: Das Becken wird vorn hochgezogen

 

Stellen Sie sich eine leicht geneigte Kaffeetasse vor und wie der Kaffee am vorderen Rand hinaus läuft. So muss auch Ihr Becken stehen. Dann wölbt sich die Bauchwand leicht nach außen und schafft Platz für die inneren Organe. Das bedeutet auch, dass Sie viel besser und tiefer atmen können. Ein vergrößertes Atemvolumen bedeutet auch mehr Sauerstoff im Gehirn. Und das wiederum führt zu einer höheren Leistungsfähigkeit beim schweren Vorgang des Denkens. ;-)

 

Stellen Sie sich wieder eine Kaffeetasse vor. Wenn Sie den oberen Rand leicht nach vorn neigen, geht im Gegenzug der Tassenboden leicht zurück. Beim Menschen ist es so ähnlich. Ist der obere Beckenrand leicht nach vorn geneigt, wandern unten die Sitzbeinhöcker leicht nach hinten. An diesen Sitzbeinhöckern ist die rückwärtige Beinmuskulatur befestigt. Das bedeutet, wenn Sie richtig sitzen, dehnt es automatisch immer leicht Ihre rückwärtige Beinmuskulatur.

 

Fehler 5: Die Füße stehen hinter den Knien

 

Wenn Sie Ihre Unterschenkel nach hinten unter den Stuhl klappen, lastet das Körpergewicht auf Ihrem unteren Rücken. Ebenso wird die rückwärtige Oberschenkelmuskulatur angespannt anstatt sich leicht zu dehnen.

 

Der wichtigste sechste Fehler für das korrekte Sitzen

 

a) Das Brustbein führt im Körper

 

Es wird niemals das Becken zuerst nach vorn oder hinten bewegt und der Rest des Körpers passt sich an. Sondern das Brustbein steigt nach vorn oben leicht diagonal und das Becken folgt der Bewegung und kippt wie von allein in die optimale Kaffeetassen-Position. Es ist völlig falsch, sich vom Becken her zu bewegen und das Becken einfach nach vorn zu rollen. Dann bleibt der Oberkörper gestaucht und kurz. Richtig ist, dass zuerst das Brustbein diagonal nach oben steigt und sich dadurch der Brustkorb vom Becken weg bewegt. Der Körper bekommt also Länge. Länge im Körper bedeutet immer Entspannung. Kurz bleiben oder gar noch kürzer bei Bewegung werden bedeutet immer Anspannung. Erst nachdem das Brustbein zu steigen beginnt, folgt das Becken über eine langgezogene Wirbelsäule in die Kaffeetassenposition. Sie werden bemerken, dass dadurch Ihr Rücken lang wird. Sie werden ebenfalls spüren, dass Sie dadurch im Oberkörper viel beweglicher sind und sich Ihr Oberkörper viel leichter und freier nach links und rechts drehen lässt.

 

b) Großes Malheur: Ihr Brustbein führt nicht mehr oder es fällt Ihnen schwer

 

Wenn Sie Ihr Brustbein nicht steigen lassen können, dann liegt es meist daran, dass Ihr Bauch schon ziemlich verkürzt ist. Ein guter Senmotic-Therapeut schafft hier Abhilfe. Übrigens führt Bauchmuskeltraining immer zu verkürzten Bauchmuskeln. Außerdem ist der lange gerade Bauchmuskel ein Beugemuskel. Das bedeutet: Wenn Sie den Rectus abdominis immer schön trainieren, kann dieser Muskel besser beugen. Er kann Sie jedoch auf keinen Fall besser aufrichten. Sie dürfen davon ausgehen, dass die Ärzte, Physios und Fitnesstrainer, die das Training des Bauchmuskels als Beuger zur Stärkung und Aufrichtung von vorn empfehlen, frei von jedem klaren Gedanken sind. Also eigentlich frei von jeglichem Gedanken. ;-)